25. April 2024

Vorgängerprojekt: Wissenschaftliche Begleitung der FSA in Sachsen


Die LaFaSt baut auf der Arbeit der „Wissenschaftlichen Begleitung der Flüchtlingssozialarbeit in Sachsen“ auf, einem Forschungs- und Gestaltungsprojekt, das von 2016-2021 an der EHS Dresden Strukturen, Handlungsansätze und aktuelle Problemstellungen der FSA erhob und die Fachkräfte durch den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse und good practice Praxiserfahrungen begleitete.

Im Folgenden finden Sie die Projektschwerpunkte der Wissenschaftlichen Begleitung und können die detaillierten Projektberichte herunterladen. Ausgewählte Ergebnisse, beispielsweise aus verschiedenen empirischen Erhebungen oder aus Austauschformaten wie den Regionalwerkstätten finden Sie, wenn Sie der Verlinkung zu den externen Projektwebseiten folgen.

Strukturen, Kooperationen, Handlungsansätze
2016


Flüchtlingssozialarbeit agiert in einem komplexen und widersprüchlichen gesellschaftlichen, regionalen, sozialen und kulturellen Rahmen.

Aufgrund der ab 2014 gewachsenen Zahl von Geflüchteten, der unwürdigen Zuwanderungsbedingungen an den europäischen Außengrenzen und in Europa sowie der damit verbundenen großen und polarisierten gesellschaftlichen Aufmerksamkeit für Flucht, Asyl und Migration entstanden neue Strukturen und Kooperationen in der Flüchtlingssozialarbeit (FSA) bzw. Sozialen Betreuung von Flüchtlingen. Die Richtlinie „Soziale Betreuung“ des Sächsischen Staatsministeriums für Gleichstellung und Integration ermöglichte in Sachsen seit 2015 eine – wenn auch projektgebundene, befristete – Förderung und damit neue hauptamtliche Strukturen neben den etablierten bundesgeförderten Migrationsfachdiensten JMD und MBE.

Das Forschungsprojekt fragte in einem ersten Schritt 2016/17 zum einen, welche Strukturen einer Flüchtlingssozialarbeit in Sachsen regional entstanden sind, in welchen Formen miteinander kooperiert wird und welche normativen Grundlagen für die Flüchtlingssozialarbeit dort erarbeitet wurden.

Die verschiedenen Ministerien, Ämter und Träger der Freien Wohlfahrtspflege bis hin zu Betreiber*innen von Gemeinschaftsunterkünften hatten jeweils eigene Empfehlungen, Kompetenzprofile, Richtlinien, Positionspapiere u. ä. für die FSA entwickelt. Die in der FSA tätigen Professionellen versuchten, angemessene fachliche Handlungsansätze zu entwickeln und umzusetzen.

Ziel des Forschungs- und Gestaltungsprojekts der Wissenschaftlichen Begleitung der FSA in Sachsen war die Bestandsaufnahme, Rekonstruktion und Diskussion der Flüchtlingssozialarbeit und ihrer Entwicklungspotentiale in Sachsen.

2016: https://ehs-dresden.de/forschung/forschungsprojekte-ehs/abgeschlossene-ehs-projekte/wissenschaftliche-begleitung-der-fluechtlingssozialarbeit-in-sachsen

Die Weiterentwicklung von professionellem Selbstverständnis und fachlichen Standards der Sozialen Arbeit mit Geflüchteten
2017


Die erste Bestandsaufnahme zu normativen Orientierungen und zur Handlungspraxis zeigte, dass Soziale Arbeit mit Geflüchteten

  • professionelle Hilfe zur Bewältigung aller wesentlichen Lebenswelten und Lebenslagen eines Menschen betrifft, also umfassend ist,
  • sich auf sehr heterogene Gruppen innerhalb der Zielgruppe bezieht, also divers und individuell ist,
  • sich sowohl auf die Zielregion Sachsen mit verschiedenen Städten und Landkreisen als auch auf die Herkunftsländer und -regionen bezieht, also regional und transnational spezifisch ist,
  • Katalysator und Organisator bürgerschaftlichen Engagements ist, einschließlich des Engagements von Migrant*innenselbstorganisationen,
  • sich abstimmen und kooperieren muss mit benachbarten Handlungsbereichen der Migrationssozialarbeit und anderen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit, der Justiz, des Bildungs- und Gesundheitswesens sowie der sozialen Grundsicherung und Erwerbsarbeit, aber auch mit der Zivilgesellschaft,
  • multiprofessionelles und trägerübergreifendes berufs- und sozialpolitisches Handeln ist

Soziale Arbeit mit Geflüchteten ist also durch ‚Allzuständigkeit‘ in ihrer Arbeit herausgefordert. Zugleich steht sie unter einem hohen Erwartungsdruck.
Paradoxien zwischen Hilfe und Kontrolle in einer demokratischen und zugleich sozial ungerechten Konkurrenzgesellschaft, zwischen den Bedürfnissen der Geflüchteten und politisch-ökonomischen Erwartungen an Effektivität und Effizienz der Sozialen Arbeit oder/und zwischen unterschiedlichen Professionen, die in ihren Selbstverständnissen das Subsidiaritätsverhältnis zwischen den Trägern unterschiedlich auslegen, können zu Missverständnissen, Konkurrenz und Handlungsbegrenzungen in der Flüchtlingssozialarbeit führen.

Soziale Arbeit ist als Flüchtlingssozialarbeit in besonderem Maße eingebunden in einen Lernprozess, den sie selbst für ihr professionelles Selbstverständnis unter oben benannten komplexen Bedingungen durchlaufen muss. Zugleich ist sie eingebunden in einen gesellschaftlichen Lernprozess, der die Verstricktheit Sachsens und Deutschlands mit den Fluchtursachen in Europa und der weiteren Welt verdeutlicht und der Chancen und Grenzen ihrer Professionalisierung offenbart.
Im Kontext der gesunkenen Zahlen von Geflüchteten schien 2017 mehr Raum bei freien und öffentlichen Trägern, die bisherigen Standards der Flüchtlingssozialarbeit zu diskutieren und welche Anforderungen ggf. zu ‚vereinheitlichen‘ wären.

2017: https://ehs-dresden.de/forschung/forschungsprojekte-ehs/abgeschlossene-ehs-projekte/wissenschaftliche-begleitung-der-fluechtlingssozialarbeit-in-sachsen-ii

Zusammenarbeit in Integrationsnetzwerken im ländlichen Raum
2018 / 2019


Flüchtlingssozialarbeit (FSA) hat sich in den kreisfreien Städten und in den Landkreisen Sachsens zu einem wichtigen Handlungsfeld Sozialer Arbeit entwickelt. Sie unterscheidet sich teilweise deutlich hinsichtlich ihrer Strukturen, der Kooperationen und der konkreten Handlungsansätze vor Ort. Dies betrifft bspw. Fragen danach, welche Trägerstruktur sich entwickelt hat, wie die Fachkräfte bzw. ihre Tätigkeiten bezeichnet werden, wie sie kooperieren, wie die Kooperation mit anderen Akteur*innen für die (zumindest partielle) Integration der unterschiedlichen Zielgruppen geflüchteter Menschen erfolgt und welche Handlungsansätze dabei verfolgt werden (vgl. Gemende/Jerzak/Lehr/Sand/Wagner 2017).

Die bisherigen Ergebnisse der Wissenschaftlichen Begleitung der FSA in Sachsen zeigten, dass Zuständigkeiten und Aufgaben in der FSA effizienter verteilt werden können (und sollten). Ein Ansatzpunkt zur zielorientierteren und wirkungsvolleren Kooperation war und ist die Konkretisierung der Aufgabenbereiche der Akteur*innen im Integrationsnetzwerk, insbesondere der in 2016/17 neugeschaffenen Kommunalen Integrations-, Bildungs- oder Ehrenamtskoordinator*innen. Hauptsächlich im ländlichen Raum sind deren Zuständigkeiten sowie die Bündelung der Aktivitäten aufgrund der Gemeindeverbandsstrukturen herausfordernder als in der Stadt.

Die bisherige Analyse der FSA in Sachsen verdeutlichte überdies, dass deren öffentliche und freie Träger besonderen Aushandlungsbedarf hinsichtlich

  • der Qualifizierungen des Personals (multiprofessionelle und interkulturelle Teams),
  • der Strukturen für die Kommunikation,
  • einer Etablierung von Mindeststandards für die Flüchtlingssozialarbeit,
  • sowie der Aufgabenverteilung der Akteur*innen untereinander anzeigen.

Es schien daher notwendig, kommunale Netzwerke der Flüchtlingsarbeit neu auszurichten und zu stärken, um langfristige Strategien für die Flüchtlingsarbeit zu entwickeln und andererseits bereits vorhandene Instrumente der Netzwerkarbeit wie Runde Tische etc. nachhaltig auszubauen und klarer aufeinander abzustimmen. Hierbei sollte auch auf die Stimmen der Geflüchteten selbst gehört werden. 

2018/19: https://ehs-dresden.de/forschung/forschungsprojekte-ehs/abgeschlossene-ehs-projekte/wissenschaftliche-begleitung-der-fluechtlingssozialarbeit-in-sachsen-iii

Unterstützung neuer Handlungsansätze zur Konsolidierung der FSA, Vernetzung der Akteure und sozialräumlichen Integration
2020 / 2021


Flüchtlingssozialarbeit hat sich in Sachsen in den letzten Jahren etabliert (vgl. Gemende/Jerzak/Lehr/Sand/Wagner 2017 & 2018) (Wissenschaftliche Begleitung 2016 2017 2018/19). Als Themen in der Netzwerkarbeit kristallisier(t)en sich nicht nur Informationen über Regelaufgaben und neue Angebote bzw. Projekte der Akteure heraus, sondern auch besondere Herausforderungen: So z.B. die Soziale Arbeit mit Menschen mit einer Duldung, die Folgen neuer rechtlicher Entscheidungen für die professionelle Arbeit oder die Tendenzen zur Auseinanderentwicklung von (groß-) städtischen und ländlichen Räumen hinsichtlich des Bleibeverhaltens von Migrant*innen, was wiederum mit je spezifischen Anforderungen an die Integrationsarbeit vor Ort einher geht. Diese Herausforderungen kann FSA nicht ohne andere Akteure der Netzwerkarbeit und vor allem nicht ohne die Politik alleine lösen (vgl. Gemende/Jerzak/Lehr/Sand/Wagner (Hrsg.) (2018): „Quo vadis Flüchtlingssozialarbeit?“).

Bei der Integrationsarbeit geht es neben und mit der notwendigen Netzwerkarbeit der professionellen Akteure vor allem um das Herstellen niedrigschwelliger Zugangsmöglichkeiten zu den Sozialen Diensten für geflüchtete und andere Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch der schon länger ansässigen Bevölkerung im Interesse von Begegnung und Konfliktregelung. Dies umso mehr, als Rassismus und Fremdenfeindlichkeit Themen der FSA bleiben. Die nach wie vor emotionalisierte und polarisierte Debatte um das Thema (Flucht-) Migration beeinflusst auch die Wahrnehmung der FSA-Fachkräfte, bringt sie zum Teil in die Situation, ihr Mandat und ihre Klient*innen rechtfertigen zu müssen. 

Die Situation der FSA in Sachsen blieb und bleibt komplex, auch spannungsreich. Die FSA ist rechtlich nicht festgeschrieben, aber an sie werden hohe Erwartungen der Integration gestellt. Deshalb setzte sich die „Wissenschaftliche Begleitung der FSA in Sachsen“ 2020/21 zum Ziel, neue Handlungsansätze in drei Problembereichen zu unterstützen, um damit zur weiteren fachlichen Konsolidierung der FSA, einer dafür notwendigen qualitativ anderen Vernetzung der Akteure und letztendlich zur Sichtbarmachung und Qualifizierung „sozialer Integrationsorte“ beizutragen:

  • Die Initiierung und Bereitstellung von möglichst hierarchie- und konkurrenzfreien Kommunikationsräumen und Vernetzungsstrukturen, vorwiegend auf professionsbezogener Ebene, aber jenseits der institutionalisierten regionalen Kooperationsbeziehungen wurde und wird von den Akteuren sowohl der freien als auch der öffentlichen Träger als gewinnbringend und produktiv eingeschätzt. Mit den „Regionalwerkstätten“ und anderen Formaten der wissenschaftlichen Begleitung wurden Plattformen bzw. neue Handlungsansätze eingeführt, die solch einen (mehr oder weniger) hierarchie- und konkurrenzfreien Raum zur Reflexion und Vertiefung von Themen und ebenso für Austausch, Anregung und Transfer von „guter Praxis“ im Kolleg*innenkreis bereitstellen.
  • Integrationsprozesse von Menschen mit Migrationshintergrund spielen sich letztlich vor Ort, im jeweiligen Sozialraum ab. „Integrationsorte“ (bspw. Begegnungszentren, teils mit Begegnungscafés, Integrationszentren u. ä.) stellen niedrigschwellige, bedarfs- und ressourcenorientierte Angebote insbesondere der FSA und ihrer Kooperationspartner bereit. Für die sozialräumliche Akteurslandschaft haben „Integrationsorte“ neben beratender und begleitender Funktion für Einzelne koordinierende Funktion, d.h. sie dienen dazu, Synergien zu verstärken, Parallelstrukturen entgegenzuwirken, Zuständigkeits- und Handlungslogiken anzugleichen (Jepkens/Hauprich (2018): INTESO). Der gezielte Blick auf die Sozialraumorientierung der FSA und ihrer Netzwerke sowie auf „sozialraumorientierte Integrationsorte“ sollte neue Handlungsansätze sichtbar machen. 
  • Da FSA bundesweit nicht rechtlich festgeschrieben ist und es jeweils bundeslandbezogene oder auch kommunale Modelle, Richtlinien und Projekte gibt, ist zu fragen, welche Strukturen und Ansätze der FSA in anderen (ausgewählten) Bundesländern bestehen und wie sich die FSA in Sachsen dazu positionieren lässt. Von Interesse sind dabei neben den allgemeinen rechtlichen und konzeptionellen Grundlagen von FSA in anderen ausgewählten Bundesländern und ihr Vergleich mit der FSA in Sachsen exemplarische sozialraumorientierte Ansätze zur sozialen Integration von Geflüchteten vor Ort wie Integrationszentren, Familienzentren o.ä.

2020/21: https://ehs-dresden.de/forschung/forschungsprojekte-ehs/wissenschaftliche-begleitung-der-fluechtlingssozialarbeit-in-sachsen-iv


Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

Projektträger